Die Interviewreihe im A.B.S. Blog: Helmut Karrer trifft... Carl-Jan von der Goltz

Die Corona-Pandemie hat die Welt in eine Rezession gerissen. Wenn die Vorzeichen nicht trügen, dann befinden wir uns mitten im tiefsten Absturz der Nachkriegszeit, noch massiver als die Rezession nach der weltweiten Finanzkrise 2008/2009. Um hier Orientierung zu bekommen und eine Einordung der Lage – insbesondere hinsichtlich der Bedeutung für kleine und mittelständische Unternehmen in Deutschland – zu erhalten, hat Helmut Karrer, Vorstand der A.B.S. Global Factoring AG und Muttergesellschaft der A.B.S. Finanzgruppe, den Geschäftsführender Gesellschafter von Maturus Finance zu Gast, Herrn Carl-Jan von der Golz.  Es geht um eine aktuelle Positionsbestimmung und die Bedeutung von Sale-&-Lease-Back bei der Unternehmensfinanzierung in schwierigen Zeiten.

Die aktuelle Lage…

Helmut Karrer: Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier rechnet ab Oktober mit einem Wirtschaftsaufschwung. Alles in allem werde die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um sechs Prozent schrumpfen, aber im kommenden Jahr wieder über fünf Prozent zulegen. Wie schätzen Sie persönlich die aktuelle Lage ein?

Carl-Jan von der Goltz: Da es bis dato noch keine Methoden zur Bekämpfung der COVID-19-Pandemie gibt, lässt sich die weitere wirtschaftliche Entwicklung schwer einschätzen.

Denn auch wenn sich beispielsweise der ifo-Geschäftsklimaindex verbessert hat, so bewerten viele Industrieunternehmen ihre Situation nach wie vor als schlecht. Sollte es gesamtwirtschaftlich im kommenden Jahr ein Wachstum geben, bleibt es für einzelne Bereiche also weiterhin schwierig – nehmen wir die Automotive-Industrie, die exportnahen Dienstleistungen oder den Maschinen- und Anlagenbau. In diesen Branchen begannen bereits vor der Coronakrise tiefgreifende Transformationsprozesse, die sich nun unter erschwerten Rahmenbedingungen fortsetzen. Vor allem, wenn die liquiden Mittel in die Aufrechterhaltung des täglichen Geschäftsbetriebs fließen, bleibt kaum finanzieller Spielraum für die Umsetzung notwendiger Innovationsmaßnahmen. Meldungen wie beispielsweise von Euler Hermes zeigen zusätzlich, wie prekär die Lage am Finanzierungsmarkt derzeit ist: Sollte der Schutzschirm für Warenkreditversicherer zum 31.12.2020 auslaufen, plant der Versicherer bonitätsschwachen Unternehmen den Versicherungsschutz zum Jahresende zu entziehen.

Die Liquidität von Unternehmen…

Helmut Karrer: Liquidität ist ja für viele Unternehmen aktuell das Schlüsselwort. Für die mittelständischen Unternehmen in Deutschland ist der Zugang zum klassischen Bankkredit angesichts der Coronakrise jedoch schwieriger geworden. Banken verhalten sich bei Verhandlungen restriktiver. Ich könnte mir vorstellen, dass die Situation sogar noch schwieriger wird, wenn Banken die zu erwartenden Insolvenzen handeln müssen.

Um das notwendige Working Capital bereitzustellen, greifen Unternehmen daher vermehrt auf die bereits erwirtschafteten Assets zurück und suchen nach Finanzierungsangeboten, die die Unternehmenssubstanz berücksichtigen: Sale-&-Lease-Back und Factoring sind hier die Favoriten. Was sind denn konkret die Vorteile für die Liquidität eines typischen Mittelständlers, wenn er Sale- &-Lease-Back einsetzt?

Carl-Jan von der Goltz: Bei Sale-&-Lease-Back werden die liquiden Mittel durch eine reine Innenfinanzierung erzeugt. Dazu verkauft das Unternehmen werthaltiges Anlagevermögen wie Maschinen-, Anlagen- oder Fuhrparks an einen entsprechenden Finanzierungsspezialisten und least es direkt zurück. Der Betrieb erhält dadurch frisches Kapital, ohne einen externen Kredit bei einer Bank aufnehmen zu müssen. Das wiederum stärkt die Eigenkapitalquote und damit die Bonität des Unternehmens, was für etwaige weitere Verhandlungen mit der Hausbank vorteilhaft sein kann.

Ein weiterer Vorteil: Der Kaufpreis steht sofort und ohne Auflagen bezüglich der Verwendung zur Verfügung. Zudem sind die Leasingraten teilweise steuerlich als Betriebsausgaben absetzbar. Auch bei der Schnelligkeit punktet das Finanzierungsmodell. Wenn alle Voraussetzungen stimmen, erhält der Betrieb innerhalb weniger Wochen das dringend benötigte Geld. Während des gesamten Verkaufsprozesses bleiben die Maschinen oder Fahrzeuge im Einsatz und können ohne Ausfallszeiten weitergenutzt werden.

Die Vorteile von Sale-&-Lease Back…

Helmut Karrer: Sale-&-Lease-Back-Anbieter gehören zu denjenigen Finanzierern, die auch in schwierigen Zeiten Produktionsunternehmen unterstützen, um den Ausweg aus der Krise zu erleichtern. Welche Voraussetzungen muss denn ein Unternehmen für diese Finanzierungsform mitbringen und wie gehen Sie konkret bei einer Anfrage vor?

Carl-Jan von der Goltz: Beim Sale-&-Lease-Back-Ansatz spielt die Bonität der Unternehmen keine Rolle. Dafür rücken die werthaltigen Assets in den Vordergrund. Firmen sollten deshalb Maschinen, Anlagen und/oder Fahrzeuge besitzen, die werthaltig, fungibel und mobil sind. Sonder- und Einzelanfertigungen, Prototypen sowie einzelne Maschinen eines Typs kommen also nicht in Frage. Die Objekte dürfen auch nicht irreversibel mit der Fertigungshalle verbaut sein. Kommt ein Unternehmen mit einer Finanzierungsanfrage auf uns zu, prüfen wir zunächst, ob die Maschinen geeignet sind und erstellen dann ein indikatives Angebot. Für eine erste Bewertung der Assets reicht uns beispielsweise der Anlagespiegel. Wenn unser Angebot auf Interesse stößt, machen wir uns ein persönliches Bild vor Ort. Es folgt ein professionelles Zeitwertgutachten der Maschinen, was quasi die Höhe der Finanzierungssumme bestimmt. Abschließend wird der Vertrag mit allen Konditionen, unter anderem der Höhe der Leasingraten, finalisiert. Für Unternehmen ohne geeignetes Anlagevermögen bieten wir auch eine Lagerfinanzierung an. Dabei können Händler, Produzenten und Verarbeiter ihre Rohstoffe, Waren oder Lagerbestände als Sicherheiten für einen alternativen Kredit einsetzen.

Ihr Tipp für KMU: Worauf kommt es wirklich an?

Helmut Karrer: Gerade in schwankenden Konjunkturphasen ist die unternehmerische Sicherheit entscheidend. Was empfehlen Sie aus Ihrer Erfahrung generell den KMU in der jetzigen Situation?

Carl-Jan von der Goltz: Wie Sie bereits angemerkt haben, stehen die klassischen Banken nicht in allen Situationen als Partner zur Verfügung – beispielsweise in Krisenzeiten oder auch im Bereich des Wagniskapitals. Daher empfehle ich Unternehmen, dass sie sich den Finanzierungsmarkt mit all seinen Alternativen gründlich ansehen. Es gibt zahlreiche unabhängige Finanzberater, die dabei helfen können. Anschließend sollten die KMU die passenden alternativen Modelle in ihren Finanzierungsmix aufnehmen und sich somit möglichst breiter und krisenfester aufstellen.

Helmut Karrer: Vielen Dank für diese spannenden Einblicke, Herr von der Goltz!

Zur Person

Carl-Jan von der Goltz ist seit Juni 2006 für Maturus Finance tätig und seit Juli 2007 geschäftsführender Gesellschafter. Zuvor war er als Senior Risk Manager für strukturierte Finanzierungen bei der HypoVereinsbank in München tätig. Carl-Jan von der Goltz studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten Freiburg sowie Hamburg und absolvierte sein Assessor-Examen in Düsseldorf. Weiterhin erwarb er den Abschluss »Master of Laws« (LL.M.) in Mercantile Law an der University of Stellenbosch, Südafrika, und absolvierte eine Ausbildung zum Bankkaufmann beim Bankhaus M.M.Warburg & CO in Hamburg.

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