Wirksame Förderungen für KMU in Wien:
Andreas Draxler trifft Gaston Giefing und Kurt Fleischhacker

Die aktuelle Krise hat die Wirtschaft stark verunsichert. Durch die nicht vorhersehbare Corona-Pandemie kamen viele Betriebe in Österreich teilweise sogar zum Erliegen. Dennoch blicken viele Expertinnen und Experten optimistisch in die Zukunft. Denn auch in Zeiten der Corona-Pandemie kann man aus den Erfahrungen vergangener Krisen lernen.

Hier wurde deutlich, dass Unternehmen, die sich proaktiv auf eine „Durststrecke“ vorbereitet haben, den Aufschwung nach der Krise weitaus besser nutzen und selbstbestimmt managen konnten, als andere.  Eine strategische Ertrags- und vor allem auch Liquiditätsplanung und die Aufteilung der Fremdkapitalaufnahme auf mehrere Quellen, sind mit entscheidende Schlüsselfaktoren für den Erfolg. Auf diese Weise lassen sich Abhängigkeiten und Konzentrationen reduzieren.Was benötigen Österreichs KMU also jetzt? Diversifizierung!

Ein bereits bewährtes Finanzierungsinstrument im Mittelstand ist Factoring. Neue Initiativen wie die „Stolz auf Wien Beteiligungen GmbH“ der Stadt Wien und auch das echte stille, teilweise eigenkapitalwirksame Beteiligungskapital der WKBG AG sind ebenso alternative Finanzinstrumente, die mithelfen sollen, das Eigenkapital von Wiener KMU und damit die Unternehmensbonität zu verbessern.

Um eine aktuelle Positionsbestimmung und Einordnung der Lage – insbesondere hinsichtlich der Bedeutung für kleine und mittelständische Unternehmen in Österreich – zu erhalten, haben wir Andreas Draxler,Vorstand der A.B.S. Factoring AG, mit den beiden Geschäftsführern der WKBG Wiener Kreditbürgschafts- und Beteiligungsbank AG, Herrn Gaston Giefing und Kurt Fleischhacker,  zu einem gemeinsamen Gespräch in Wien getroffen.

Herr Fleischhacker, aktuell befindet sich der Wiener Mittelstand in einem stürmischen Marktumfeld. Förderungen seitens der Regierung sind nun bereits bei vielen Unternehmen angekommen – die Rückzahlung steht jedoch noch bevor. Wie können sich Unternehmen Ihrer Meinung nach bereits heute auf die kapitalintensive Zeit danach vorbereiten?

Wir sehen die „Corona-Überbrückungshilfen“– durch den Bund und auf regionaler Ebene –  als „Erste-Hilfe-Liquiditätsmaßnahmen“ als unabdingbar, sinnvoll und notwendig an.

In einem zweiten Schritt – neben Abklärung des Liquiditätsbetriebsmittelbedarfes für 2020/2021 – sind jedenfalls auch Maßnahmen zur Kapitalstärkung, insbesondere für Wiener KMU mit bereits „dünner“ Eigenkapitaldecke und bei wachstumsorientierten Unternehmen anzuraten.

Nicht zuletzt gilt, Wiener KMU dabei zu unterstützen, nicht nur erfolgreich aus der Krise zu kommen, sondern auch erfolgreich zu bleiben und weiteres Wachstum zu sichern. Hier haben wir – gemeinsam mit der Stadt Wien und der Wirtschaftskammer Wien – eine neue „WKBG-Wachstumsaktion“ (ab 1.10.2020) ins Leben gerufen. Dabei werden der wir als WKBG für bis zu EUR 20 Mio. Investitionskredite 70%-ige Bürgschaftsübernahmen für Wiener KMU zur Verfügung stellen.

Herr Draxler, gibt es Ihrer Meinung nach, weitere Möglichkeiten, die KMU proaktiv verfolgen können?

Die gewährten Hilfspakete seitens der Regierung bringen in der jetzigen Zeit eine willkommene Erleichterung. Die Liquidität, aber auch die Sicherheit und Stabilität, braucht es auch in der Phase danach. Wir beobachten in den vergangenen Wochen immer häufiger folgende Szenarien bei KMU:
  • Unternehmen haben noch offene Rechnungen in den Büchern und ihre Abnehmer ersuchen sie um eine Zahlungszielverlängerung. Beides geht zu Lasten der eigenen Liquidität und erhöht das finanzielle Risiko des Unternehmens.
  • Einige Betriebe wurden auch schon von Zahlungsausfällen ihrer Kunden überrascht
  • Stornierungen größerer Aufträge mussten entgegengenommen werden
  • Die eigenen Kunden stehen vor Abschluss eines Auftrages vor der Insolvenz
  • Lieferanten werden ungeduldig und fordern ihre offenen Rechnungen ein

All das sind derzeit gegenwärtige Situationen, die Factoring als Baustein in der Unternehmensfinanzierung so wertvoll macht.

Die Stadt Wien hat im Kampf gegen die Auswirkungen der Corona-Pandemie eine Initiative unter dem Titel „Stolz auf Wien“ Beteiligungs GmbHins Leben gerufen, um den Standort wirtschaftlich zu stärken. Herr Giefing, wie wichtig sind derartige Maßnahmen für die Zukunft der Hauptstadt und welche weiteren Schritte müssen Ihrer Meinung nach, gesetzt werden?

Beteiligungskapital – sowohl echtes stilles als auch offenes – wird als ergänzende Finanzierungsform zum klassischen Bankkredit in den nächsten Jahren auch in Österreich einen hohen Stellenwert bekommen. Dies hilft insbesondere KMUs bei der Eigenkapitalstärkung und damit auch bei der Bonitätsverbesserung.

Die Initiative und das gemeinsame Angebot der Stadt Wien und der WKBG über die „Stolz auf Wien“ Beteiligungs GmbH – mit direkten Beteiligungen bis zu 1 Mio. EUR – kommt daher genau zum richtigen Zeitpunkt.

Die WKBG selbst unterstützt Wiener KMUs mit ihrem jahrzehntelang bewährten echten stillen Beteiligungskapital bis 0,5 Mio. EUR auf bis zu 10 Jahre. Ein wichtiger Hinweis dazu: die WKBG AG als Finanzpartner scheint weder im Firmenbuch auf – d.h. wir halten keine Gesellschaftsanteile, der Unternehmer bleibt Herr in seinem Haus – noch haben wir Mitspracherecht im Unternehmen.

Wir halten fest…

Den Standort Wien zu fördern ist für die WKBG seit mittlerweile 50 Jahren nicht nur Auftrag, sondern eine besondere Herzensangelegenheit.  Mit welchen konkreten Angeboten unterstützen Sie die Wiener Wirtschaft, Herr Fleischhacker?

Im Wesentlichen sind es folgende drei Punkte:
  1. Bürgschaftsübernahmen für Betriebsmittel und Investitionskredite als Kreditermöglicher (bis zu 70%)
  2. Echtes, stilles (zu 50% nachrangiges und damit Eigenkapitalstärkendes) Beteiligungskapital als Projektermöglicher
  3. Kostenlose und neutrale Finanzierungs- und Strukturierungsberatung

Herr Draxler, die A.B.S. ist bereits seit 40 Jahren auf die Finanzierung von klein- und mittelständischen Unternehmen spezialisiert, dabei sind Sie als Vorstand im täglichen Austausch mit Österreichs KMU. Wenn Sie eine Zwischenbilanz ziehen müssen: Worin sehen Sie die aktuell größten Risiken in der Unternehmensfinanzierung?

Meiner Meinung nach hat die Stunde für alternative Finanzierungsinstrumente schon längst geschlagen… Viele KMU haben den Paukenschlag durch die aktuellen Umstände leider verpasst oder überhört und suchen jetzt, in Zeiten, in denen der klassische Kreditzugang immer schwieriger wird, nach attraktiven Lösungen. Die gute Nachricht ist: es gibt sie!

Gerade im Hinblick auf die Turbulenzen in den globalen Lieferketten denken wir, dass Instrumente wie Factoring wertvoller sind denn je – sowohl für diejenigen, die mit Cashflow-Herausforderungen zu kämpfen haben, als auch für diejenigen, denen sich einzigartige und kurzfristige Opportunitäten und Chancen bieten. Bei dem „Rechnungsverkauf“, sprich dem Factoring, wird die Liquidität aus bereits erwirtschafteten Assets – nämlich den eigenen Forderungen – generiert und muss im Vergleich zum Kredit nicht erst in der Zukunft erwirtschaftet und zurückgezahlt werden.Das Prinzip funktioniert ganz einfach: Offene Rechnungen werden an uns, die A.B.S. Factoring AG, verkauft und binnen 24 Stunden wird der Rechnungsbetrag ausbezahlt. Der Zahlungseingang kann also unmittelbar auf dem Geschäftskonto verbucht werden und somit stehen liquide Mittel zur freien Verfügung, um eigene Rechnungen zu bezahlen oder Abnehmern längere Zahlungsziele zu gewähren.Viele unsere Geschäftspartner profitieren durch den Einsatz von Factoring jetzt unmittelbar von den Vorteilen, indem sie ihre Ausfallrisiken reduzieren und gleichzeitig die Liquidität im Unternehmen erhöhen. Ein enormer Bonus, beruhigter durch diese Zeiten zu manövrieren.

Fassen wir zusammen…

Herr Giefing, alles in allem: Was ist derzeit die höchste Priorität für Wiener KMU?

Im Jahr der Corona-Krise hatte natürlich mit der WKBG „Corona-Überbrückungsaktion“ die Liquiditätssicherung höchste Priorität. Bereits noch in diesem Jahr und 2021 werden mit der neuen „WKBG-Wachstumsaktion“ vor allem Investitionsvorhaben für Wiener-KMU (und Banken) ermöglicht und gefördert. Alternative Finanzierungsformen – sei es Factoring oder eben echte stille bzw. direkte Beteiligungen – werden für KMU immer beliebter, das beobachten wir schon jetzt sehr stark. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis dieser Trend sich verstärkt auch in Österreich und im Mittelstand durchsetzt. Diesbezüglich sind wir zuversichtlich und optimistisch!

Herr Draxler, Ihr konkreter Tipp aus dem Mittelstand für den Mittelstand?

Schauen Sie aus einer 360 Grad-Perspektive auf Ihre Liquidität und denken Sie dabei auch an Outsourcing von Prozessen, die nicht Ihr Kerngeschäft sind (z.B. Entlastung im Debitorenmanagement). Der All-Round-Blick wird Ihnen dabei helfen, wichtige Ressourcen freizusetzen, die vor allem jetzt an anderen Stellen dringender benötigt werden.

Cash ist der Sauerstoff im Blutkreislauf eines jeden Unternehmens – handeln Sie also entsprechend!

Vielen Dank für das Gespräch!

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Zu den Personen:

Gaston Giefing und Kurt Fleischhacker sind Vorstände der WKBG (Wiener Kreditbürgschafts- und Beteiligungsbank AG), die 2012 aus der Verschmelzung der Wiener Kreditbürgschaftsgesellschaft, der Wiener RisikokapitalfondsgmbH und der Kapital-Beteiligungs AG entstanden ist. Bereits bei der Gründung 1970 war die Vision und Mission der Wiener Kreditbürgschaftsgesellschaft m.b.H., eine starke Stütze für die Wiener Wirtschaft zu sein. Diesen Ansatz verfolgt das Vorstandsduo weiterhin erfogreich und konsequent.